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  • Cynthia Blasberg

Fashion Changers - Ein Interview mit Nina Lorenzen zur Konferenz

Am 8. November startet die Fashion Changers Konferenz 2022 mit dem Thema ‚Mode & Verantwortung‘. Seit der Gründung 2018 haben Nina Lorenzen, Jana Braumüller und Vreni Jäckle nicht nur die Fashion Changers ins Leben gerufen, sondern außerdem ein gleichnamiges Buch veröffentlicht, ihre Plattform etabliert, einen Podcast gestartet und im Frühjahr 2022 ein Membership lanciert. Wer sich ernsthaft für Eco & Fair Fashion mit all seinen Aspekten interessiert, sollte Fashion Changers nicht nur kennen, sondern auch an den spannenden Formaten teilhaben. Wir haben mit Nina Lorenzen über Konferenz, Mentoring und Membership gesprochen.

Portrait von Nina Lorenzen in gelbweiß gestreifter Bluse vor einer gelb gekachelten Wand.
Nina Lorenzen ist eine der drei Gründerinnen von Fashion Changers. (Foto: Livia Kappler)

Ihr habt innerhalb weniger Jahre viele unterschiedliche Projekte und Formate etabliert - nicht zuletzt die Fashion Changers Konferenz. Aber beginnen wir am Anfang: Wie habt ihr euch gefunden? Was war und ist eure Intention?

Wir haben uns alle drei in der Blogosphäre rumgetrieben und über Fair Fashion geschrieben. Vreni saß zu dem Zeitpunkt noch im Allgäu und hat sich gefragt, wer eigentlich Teil dieser Fair-Fashion-Community ist und eine Facebook-Gruppe ins Leben gerufen, in der wir drei uns dann miteinander vernetzt haben. 2017 haben wir uns relativ spontan zusammengeschlossen, um ein Community-Treffen auf der Berliner Fashion Week zu organisieren. Kurze Zeit später haben wir die Möglichkeit bekommen, das Prepeek-Format der Neonyt weiterzuentwickeln. Innerhalb weniger Wochen haben wir ein mehrtägiges Programm organisiert, mit dem wir zeigen wollten, wie wir gemeinsam die Modebranche verändern können – und uns kurzerhand Fashion Changers genannt. Das ist alles ehrlicherweise ohne viel System oder Kalkül passiert, sondern wurde von der Vision angetrieben Menschen zusammenzubringen, um den Status Quo der Modeindustrie herauszufordern. Für unsere Arbeit haben wir viel Zuspruch bekommen und gemerkt, dass es ein starkes Bedürfnis nach einem Ort für Austausch und Weiterbildung gibt.

Da die Vibes zwischen Jana, Vreni und mir von Anfang an stimmten, waren wir uns ziemlich schnell einig, dass das nur der Anfang sein sollte. Und so haben wir mit Fashion Changers in den letzten Jahren verschiedene Formate entwickelt, die Wissensvermittlung und Austausch bieten und Themen rund um eco-faire Mode sichtbarer machen, von denen wir denken, dass sie zu wenig oder zu undifferenziert besprochen werden.

Portrait der drei Gründerinnen von Fashion Changers.
Nina Lorenzen, Jana Braumüller & Vreni Jäckle haben 2018 Fashion Changers gegründet. (Foto: Livia Kappler)

Die Fashion Changers Konferenz hat in diesem Jahr ‚Mode & Verantwortung‘ zum Thema. Welche Inhalte dürfen wir erwarten?

Wir haben auch dieses Jahr wieder großartige Speaker:innen, wie die Arbeitsrechtaktivistin Kalpona Akter, Vogue-Chefredakteurin Kerstin Weng, Gründerinnen wie Anna Yona von Wildling und Ivana Perbi-Ohlheiser von Wardrobe Affaire oder die Politikerinnen Katrin Göring-Eckardt und Anna Cavazzini. Wir diskutieren darüber, was Fairness wirklich bedeutet und woran man faire Arbeitsbedingungen misst, wie Labels Kleidung inklusiver designen können, wie die Modebranche Klimaziele einhalten kann und sich dabei auf wissenschaftlich fundierte Methoden stützt – also viele Themen, die aus unserer Sicht zu wenig Raum bekommen oder zu denen wir einen Perspektivwechsel anbieten möchten. Wir werden auch Themen besprechen, die in der Branche heiß diskutiert werden, zum Beispiel wohin sich Recommerce entwickelt und was TikTok & Co eigentlich für die Nachhaltigkeitskommunikation bedeuten. Ich bin voller Vorfreude auf die Inhalte und den Austausch, denn natürlich bekommen die Teilnehmenden auf der digitalen Event-Plattform viele Gelegenheiten, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Der Eröffnungsabend am 8. November findet in Echt und physisch statt, wohingegen die beiden darauffolgenden Tage digital abgehalten werden. Was hat euch zu dieser Aufteilung veranlasst Wir hatten schon ziemlich früh die Idee, eine Fachkonferenz ins Leben zu rufen, um einen Ort zu schaffen, an dem Professionals aus der Modebranche zusammenkommen, sich austauschen und auf Augenhöhe voneinander lernen können. Die Konferenz war ursprünglich als rein physisches Event geplant. Aber die Pandemie hat natürlich auch uns vor große Herausforderungen und Fragezeichen gestellt. Als sich die Situation im Herbst 2020 wieder zuspitzte, haben wir kurzfristig auf digital umgeschwenkt. Wir waren für einen kurzen Moment untröstlich, bis wir das Potenzial und die Strahlkraft eines digitalen Formats erkannt haben. Die Community war total begeistert, sodass wir die Konferenz tatsächlich dieses Jahr wieder digital veranstalten, damit weiterhin so viele Menschen wie möglich teilnehmen können, ohne nach Berlin reisen zu müssen. Aber wir wissen auch um die Kraft der persönlichen Begegnung – so hat Fashion Changers schließlich angefangen. Deshalb wird es als Ergänzung zum digitalen Konferenzprogramm dieses Jahr erstmalig einen physischen Eröffnungsabend unter dem Motto ‚Kooperation statt Konkurrenz‘ in der Platte.Berlin geben - für alle, die Lust auf Begegnungen live und in Farbe haben.

"Die Workshops richten sich nicht ausschließlich an Gründer:innen, sondern an alle Professionals."

Neben Panel Talks und Keynotes am 9. November, bietet ihr am 10. November Workshops und Mentoring Sessions statt. An wen richten sich die Workshops und Mentorings? Und wie sind letztere gestaltet? Das Mentoring- und Workshop-Programm steht ebenfalls ganz im Zeichen davon, Wissen miteinander zu teilen und sich gegenseitig zu unterstützen. Das Mentoring findt in unserer Start-up-Area statt, die sich an Neugründer:innen richtet. Das Konzept haben wir gemeinsam mit Wildling Shoes entwickelt, um einen Ort zu schaffen, an dem man sich in kleinen Gruppen mit Fragen rund um Finanzierung, Sourcing, Preisfindung, Vertrieb, Nachhaltigkeitskommunikation, Diversität, kreislaufähigem Design und weiteren Themen unkompliziert an Expert:innen wenden kann, die mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die Workshops richten sich nicht ausschließlich an Gründer:innen, sondern an alle Professionals, die mehr über Branding und Positionierung, nachhaltige und regenerative Unternehmensführung oder das Vermeiden von Greenwashing lernen möchten und dafür konkrete Hilfestellung und Anwendungsbeispielen suchen.


Die drei Fashion Changers mit Protestplakat.
2020 stand die Konferenz unter dem Motto 'Mode & Klima'. (Foto: Emilie Elizabeth)

Ihr habt im Frühjahr das Fashion Changers Membership lanciert. Neben einem monatlichen Networking-Event, haben Member Zugang zu allen Inhalten und weitere Vergünstigungen. Warum habt ihr das Membership initiiert? Und warum sollten unsere Leser:innen unbedingt Mitglied werden? Bereits nach der ersten Konferenz wurden wir gefragt, ob wir solche Weiterbildungs- und Netzwerkangebote nicht öfter als einmal im Jahr machen können. Da kam uns irgendwann die Idee eines Membership-Formats, also ein Format, an dem es regelmäßig gut recherchierte und differenzierte Inhalte und Möglichkeiten zum Networking gibt. In einer Bedürfnisumfrage haben uns die Befragten eindeutig signalisiert, dass sie sich solch einen Ort wünschen und uns wissen lassen, wie sie sich die Membership vorstellen. Wir haben dann ein halbes Jahr an der Entwicklung und Umsetzung gearbeitet und im Juni die Fashion Changers Membership gelauncht. Seitdem gibt es jeden Monat eine neue Ausgabe mit einem Fokusthema, zum Beispiel Kreislaufwirtschaft, Social Entrepreneurship, Blockchain & Transparenz. Dafür tauschen wir uns mit Professionals aus der nachhaltigen Modebranche aus und bereiten die Erkenntnisse in Form von Deep Dive-Recherchen und einem Podcast auf – natürlich mit konkreten Handlungsempfehlungen. Wir behandeln ausschließlich Themen rund um Fairness und Nachhaltigkeit in der Modebranche – solch eine Content-Membership für Professionals gibt es im deutschsprachigen Bereich noch nicht und ist in der Form einzigartig. Außerdem gibt es für den regelmäßigen Austausch ein Forum und jeden Monat ein digitales Networking-Event. Wer also in der Modebranche arbeitet oder arbeiten will und Lust auf hochwertigen Content und Community-Vibes hat, ist herzlich willkommen, Fashion Changers Member zu werden.


Das Programm der Fashion Changers Konferenz und weitere Informationen unter fashionchangers.de.