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  • Cynthia Blasberg

Green Wishing mit Mimi Sewalski

2020 ist Mimi Sewalskis Buch ‚Nachhaltig leben jetzt‘ erschienen, in dem sie das gesamte Spektrum unserer Konsumgüter unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit durchleuchtet und Tipps gibt. Außerdem ist sie natürlich Geschäftsführerin von Avocadostore. Zeit, nach ihrer Wunschvorstellung einer idealen Modebranche und Greenwashing zu fragen.

Mimi Sewalski sitzt auf einem Sofa vor einer Pinwand
Foto: Joy Kröger

Greenwashing ist für viele Konsument:innen oft nicht leicht zu erkennen. Was muss sich deiner Meinung nach ändern und verbessern, damit Greenwashing verhindert werden kann?

Nachhaltigkeit hat auch etwas mit Ganzheitlichkeit zu tun. In den letzten Jahrzehnten haben wir vieles als selbstverständlich hingenommen, ohne es zu hinterfragen. Egal, ob es um Lebensmittel, Mode oder andere Konsumgüter geht. Ein T-Shirt für zwei Euro oder ein Kilo Schweinefleisch für sechs Euro klingen nach guten Angeboten. Aber wie bekommen die Hersteller diese Preise hin? Wer bezahlt wirklich dafür? Die wesentlichen Schlüssel sind dabei oft Transparenz und Information. Ich wünsche mir, dass Unternehmen transparenter über ihre Produktion sprechen. Gleichzeitig müssen wir als Konsument:innen lernen, Informationen einzuholen und Selbstverständliches zu hinterfragen. Ich sehe hier sowohl eine Hol- als auch eine Bringschuld.


"Klimaneutralität ist nicht schwer zu erreichen, wer das vorhat, kann es sofort umsetzen und muss nicht Jahre warten."

Kannst du uns eine Art Kurzcheck geben, woran man Greenwashing erkennen kann?

Wie so oft im Bereich Nachhaltigkeit gibt es keine eindeutige Antwort. Aber Fragen helfen: Ist nur eine kleine Produktauswahl eines Herstellers grün? Sind nur 20 Produkte einer Marke grün, und die womöglich auch noch erdfarben, mit grünem Logo und von Influencer:innen gepusht, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um Greenwashing handelt. Beschäftigt sich das Unternehmen auch in anderen Bereichen mit dem Thema? Findet man Informationen dazu, wie beispielsweise Umweltschutz, faire Löhne und Umgang miteinander, sowohl in den Produktionsstätten wie in der Firmenzentrale, gelebt werden? Schwierig finde ich auch Unternehmensaussagen wie: ‚Bis 2030 wollen wir klimaneutral sein.‘ Klimaneutralität ist nicht schwer zu erreichen, wer das vorhat, kann es sofort umsetzen und muss nicht Jahre warten. Ziele in der Zukunft sind schön, viel interessanter ist jedoch, was in der Gegenwart passiert.




Was wünschst du dir für die kommenden 75 Jahre? Wie stellst du dir eine ideale Modebranche vor?

In einer idealen Modewelt ist fair produzierte und umweltfreundliche Mode das neue Normal. Statt 20 Kollektionen im Jahr gibt es nur noch zwei bis vier Kollektionen. Diese sind nicht zu trendy, aber stylish und kombinierbar. Konsument:innen kaufen zwar weniger, aber bessere Qualität und sind bereit höhere Preise zu bezahlen, weil sie verstehen, wie aufwendig es ist, Mode fair und umweltfreundlich zu produzieren. Onlinehandel und Ladengeschäfte bilden eine gute Allianz, die Innenstädte sind wieder belebt. Retouren im Onlinehandel sind kein großes Thema mehr, weil bei Bestellung auf Maß produziert wird oder eine KI die richtige Größe zuordnet. Kurzum: Das Tempo wird rausgenommen, wir achten wieder mehr auf Qualität, unsere Schränke sind leerer und es wird weniger Kleidung vernichtet und weggeworfen. Die Modebranche verursacht insgesamt viel weniger CO2-Emissionen und vielleicht haben wir auch wieder mehr Textilproduktion in Deutschland.


(Interview aus TextilMitteilungen 5/2021)