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  • Cynthia Blasberg

Nat-2: Innovation & Disruption


Sebastian Thies gehört in sechster Generation zum seit 1856 bestehenden Familienunternehmen Thies. 2007 gründete er mit Nat-2 seine eigene Premium-Sneaker-Brand, mit der er spektakuläre Collabs, beispielsweise mit Jaden und Will Smith für den Film ‚After Earth‘, realisierte. Vor allem aber repräsentiert er mit Nat-2 spektakuläre Materialinnovationen und Disruption, sprich: ressourcenschonende Prozesse und Technologien, die etablierte Praktiken infrage stellen und zu einer langfristigen Veränderung beitragen können.


Was dürfen wir 2021 von Nat-2 erwarten?

Wir haben einige Projekte in der Pipeline wie zum Beispiel Sneaker aus recycelter Luftpolsterfolie, die wir mit einem israelischen Start-up entwickelt haben. Ein großes Projekt ist auch unsere neue, etwas kommerziellere Linie, die deutlich preisgünstiger ist und für die wir trotzdem sehr innovative Materialien verwenden wie nachhaltigen Corduroy, Zuckerrohr und eine ganz neue recycelte Gummisohle mit Korkanteilen, die wir farblich monochrom anpassen können.


Portrait von Sebastian Thies, Nat-2
Sebastian Thies, Managing Director Nat-2

Das Schuhmacherhandwerk ist Ihnen ja buchstäblich in die Wiege gelegt worden. Was hatten Sie 2007 mit der Gründung von Nat-2 im Sinn?

Nat-2 stand von Anfang an für Innovation und Disruption. Als eines der wenigen Ur-Unternehmen in der deutschen Modebranche sind wir nicht nur Teil der positiven Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, sondern auch automatisch Teil des Problems. Als Insider haben wir die

Probleme hinsichtlich Effizienz, Ökologie, aber oft auch mangelnder Innovation mit Blick auf Technik, Design und Material wahrscheinlich noch intensiver wahrgenommen.

So ist bei mir der Wunsch und auch das Bedürfnis entstanden, ein Zeichen zu setzen – sprich:

Schuhe und damit den Aufbau von Marke(n) neu zu denken.


Was hat sich bei Nat-2 im Lauf der Jahre verändert – insbesondere in Bezug auf nachhaltige Schuhproduktion? Ist es einfacher geworden?

Manches ist tatsächlich einfacher geworden. Die Möglichkeiten in der Produktion und bei der Verwendung technischer Innovationen sind gewachsen, da sich in dem Bereich extrem viel getan und sogar beschleunigt hat. Auch die Akzeptanz ist enorm gestiegen. Früher wurden wir oft belächelt als nicht kommerziell und zu wenig bedarfsorientiert. Tatsächlich ist die Kombination aus nachhaltigem Premium-Sneaker und Outdoor aber zeitgemäßer denn je, und wir machen das

jetzt immerhin seit 2007. Zwei gut durchgestandene Krisen – 2008 die Weltwirtschaftskrise und im Augenblick Corona – haben uns gezeigt, dass wir kugelsicher sind. Wir haben unser Konzept nie geändert, sondern nur verfeinert.


"Im Jahr 2021 ist ein neues Design und Produkt erst dann gut, wenn es in irgendeiner Form nachhaltig ist."

Was muss aus Ihrer Sicht geschehen, damit die Schuhindustrie sich ernsthaft nachhaltig aufzustellen beginnt?

Ich kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn ich wie in den letzten Wochen Interviews lese, in denen Vertreter:innen der einen oder anderen großen Marke verkünden, sie oder die Kund:innen hätten jetzt andere Sorgen als Nachhaltigkeit. Im Jahr 2021 ist ein neues Design und Produkt erst dann gut, wenn es in irgendeiner Form nachhaltig ist. Mit dem Thema Nachhaltigkeit verhält es sich vielleicht ähnlich wie mit dem Bitcoin. Wer früh einsteigt beziehungsweise eingestiegen ist, Durchhaltevermögen hat und auf lange Sicht plant, hat den größeren Return on Investment als irgendwelche Opportunist:innen. Es ist natürlich legitim, das anders zu sehen. Aber dann sollte man zumindest auf Greenwashing verzichten. Vor allem wenn man den Anspruch hat, eine junge, gebildete Zielgruppe zu erreichen.


Mehr Informationen unter nat-2.eu


(Interview aus TextilMitteilungen 03/2021)