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  • Cynthia Blasberg

Balance aus Modegrad & Tradition - Ein Interview mit Stapf

Für Kathrin und Sebastian Proft, war es eine willkommene Gelegenheit, den Strickspezialisten Stapf aus Tirol zu übernehmen und nach eigenen Ideen zu gestalten, nachdem dieser vor fünf Jahren Insolvenz angemeldet hatte. Kathrin Proft war zuvor viele Jahre in der Unternehmensberatung für Konsumgüter und Industrie tätig und hat das Familienunternehmen ihrer Eltern, das Modehaus Dollinger mit 16 Filialen im Südosten Bayerns übernommen. Sebastian Proft wiederum hatte in verschiedenen Bereichen wie Unternehmensberatung, Investment Banking und Telekommunikation gearbeitet und kann sich nach mittlerweile zehn Jahren Modebranche nichts anderes mehr vorstellen. Er sagt: „Die Verbindung zwischen handwerklichem und kreativem Arbeiten, die Möglichkeit einen wirklich positiven Beitrag für ein nachhaltigeres Wirtschaften zu leisten – das finden wir großartig.“ Wir haben die Beiden zur Balance zwischen Modegrad und Tradition, Formensprache und Biowolle befragt.


Zwei Models vor grauem Hintergrund in den Bergen.
Aus der SS23 Kollektion von Stapf.

Mein Eindruck ist, dass ihr mit Stapf modischer geworden seid und dabei darauf achtet, die Marken-DNA mit ihren tradierten Werten zu beizubehalten. Wie haltet ihr die Waagschale zwischen Modernität und Tradition?

Sebastian Proft: Genau das sind die Leitlinien unseres Handelns und das Spannungsfeld, in dem wir uns bewegen. Wir möchten eine Contemporary Kollektion erstellen, die aber ganz klar eine regionale Identität besitzt und die immer einen handwerklichen Charakter ausstrahlt. Dass wir hier über die letzten Jahre eine gute Balance gefunden haben, liegt mit Sicherheit an dem sehr Kund:innen-bezogenen Arbeiten: Einerseits gehen wir im Modegrad ständig etwas weiter, gleichzeitig spüren wir im Vertrieb und in den Kund:innengesprächen natürlich genau, wenn wir zu schnell sind.

Kathrin und Sebastian Proft: Schwarzweiß Portrait.
Kathrin & Sebastian Proft, Geschäftsführer:innen von Stapf und Dollinger.

Die Baumwolle ist Bio und GOTS-zertifiziert, ihr verzichtet auf Farbstoffe und Weichmacher und ihr arbeitet daran, die Wolle auf Bio umzustellen. Welche Prozesse sind notwendig, um auf Biowolle umzustellen? Und wie werden eure Garne gefärbt?

Sebastian Proft: Das ist am Ende weniger eine Prozessfrage. Wir als Brand sind aktuell noch zu klein, als dass unsere Lieferanten nur für uns auf Biowolle umstellen. Wir können uns lediglich anschließen, wenn andere größere Kund:innen das bei unserem Lieferanten anfragt. Von unseren vier großen Wolllieferanten ist dies bei einem der Fall – in der Baumwolle ist es unproblematisch.


Kathrin Proft: Unsere Garne werden in Europa gesponnen und gefärbt – bei österreichischen, italienischen und portugiesischen Partner:innen. Was mich fasziniert und was ich bis dato nicht verstanden hatte: Die GOTS-Zertifizierung funktioniert eigentlich mit nahezu allen Farben – warum die klassischen Öko-Anbieter:innen typischerweise eine erdige Farbrange wählen, weiß ich nicht.


Zwei Models posieren in Strick von Stapf.
Aus der FW22-Kollektion von Stapf.

Im Lookbook FW22 sind einige Kollektionsteile noch modischer als bisher. Es finden sich neue Muster, Silhouetten und Schnitte. Wo positioniert ihr Stapf hinsichtlich der modischen Aussage – auch für zukünftige Kollektionen?

Sebastian Proft: Die klare modische Positionierung ist für uns in den letzten Saisons immer wichtiger geworden – gerade auch in Hinblick auf die Internationalisierung. Doch selbst wenn wir uns in der Formensprache weiterentwickelt haben, bleibt die regionale Identität der Marke wichtig. Das Entscheidende ist, dass wir Styles kreieren, die eine zeitlose Qualität besitzen.


stapf.at