Suche
  • Cynthia Blasberg

Mirjam Smend, GreenStyle Munich, im Interview über Female Empowerment

Bevor Mirjam Smend 2018 die erste GreenStyle Munich veranstaltet hat, hat sie 16 Jahre lang als Redakteurin für Magazine wie Elle und Glamour gearbeitet. Die GreenStyle ist mittlerweile ein erfolgreiches B2C-Konzept, das zuletzt Anfang November im italienischen Bozen stattfand. Wir haben Mirjam Smend gefragt, wie es mit dem Female Empowerment in der Green Community läuft und ob die männlichen Protagonisten der Fair-Fashion-Szene anders ticken.


Im Mai 2021 hast du den GreenStyle Pop-up Store in München eröffnet und kennst mittlerweile viele Aspekte und verschiedene Perspektiven der Eco-&-Fair-Fashion-Branche. Mein Eindruck ist, dass in der Green Community mehr Frauen unternehmerisch tätig sind. Kannst du das bestätigen?

Dein Eindruck täuscht dich nicht. Die Nachhaltigkeitsbranche ist sehr stark von Frauen besetzt, nehmen wir die Fridays-for-Future-Bewegung mit Greta Thunberg oder hierzulande mit Luisa Neubauer. Oder eine Louisa Dellert. Auch in meiner Sustainable Community sind die Jungs in der Unterzahl. Ich bin keine Evolutionsexpertin. Aber die Vermutung liegt nahe, dass sich hier alte Rollenbilder sinnvoll ausprägen. Der Mann ist bekannt als Kämpfer. Die Frau beschützt traditionell das Nest. Betrachten wir unseren Planeten als Nest, das geschützt werden muss, damit wir hier weiterhin leben können, dann wird klar, warum sich mehr Frauen aktiv für nachhaltige Mode und das Klima engagieren. Viele Gründerinnen und Umsteigerinnen haben sich auf der Suche nach Purpose Jobs umorientiert und bekleiden heute eben auch Entscheider:innenpositionen.


„Den alten, weißen Mann habe ich in meiner Community noch nicht getroffen.“

Wie sieht es mit den Männern aus? Entsprechen die Männer in der nachhaltigen Modeszene weniger dem Klischee des alten, weißen Mannes?

Männer und Frauen in der nachhaltigen Modeszene haben etwas gemeinsam, was in der konventionellen Mode einfach fehlt: Sie wollen alle etwas bewegen, verbessern. Hier geht es nicht immer nur um mehr, sondern um Inhalte. Mode ist ja so viel mehr als nur ein Kleidungsstück. Um das Bild des ‚alten, weißen Mannes‘ aufzugreifen: Den habe ich in meiner Community noch nicht getroffen. Tatsächlich ist die Community auch eher jung – ich bin mit meinen 50 Jahren hier definitiv die ‚Muddi‘. Das Frauenbild – und die Frau – hat sich über die Jahrzehnte stark gewandelt. Bei den jüngeren Generationen beobachte ich ein sehr respektvolles Miteinander.


Wie sind deine Erfahrungen als Redakteurin mit dem Fashion Business allgemein?

Nachhaltigkeit war früher kein explizites Thema. Ja, es gab alle paar Jahre eine Green Issue, in der nachhaltige Kapseln oder soziales Engagement der Anzeigenkunden präsentiert wurden. Spannende kleine Brands und echte Innovationen fehlten mir damals –und in den großen Magazinen fehlen sie mir bis heute. Das ist schade, denn hier kann viel bewegt werden. Mode ist meiner Meinung nach sehr weiblich. Ich habe in einer 40-köpfigen Redaktion gearbeitet – zwei Mitarbeiter waren Männer. Die meisten Fashionlabels, die ich kenne, sind von Frauen gegründet worden. Aber: Die Big Names bei LVMH, Burda, Condé Nast & Co. sind Männernamen. Daran müssen wir noch etwas ändern.


Mirjam Smend steht neben Schaufensterpuppe vor ihrem Store.
Mirjam Smend vor dem GreenStyle Pop-up Store in München.

Was hat dich eigentlich damals veranlasst, die GreenStyle Munich auf die Bahn zu bringen?

Meine Begeisterung für nachhaltige Mode, die ich mit möglichst vielen Menschen teilen wollte. Bloggen beziehungsweise meine Text für Vogue.de, Emotion und andere, das wurde mir irgendwann zu wenig. Mode muss man anfassen, erleben können. Das habe ich zwei Mal im Jahr auf der Neonyt getan. Dieses Erlebnis wollte ich auch für Endkonsument:innen zugänglich machen. Also haben wir die GreenStyle gegründet, spannende Eco Brands ins Haus der Kunst eingeladen, ein Konferenzprogram auf die Beine gestellt und zweieinhalb Tage nachhaltige Mode gefeiert.


Was wünscht du dir für Frauen im Fashion Business?

Dass noch mehr Frauen, die von Jobs mit Sinn träumen, ihre Träume in die Realität umsetzen. Wir brauchen Start-ups. Wirtschaftswachstum und Innovation kommen immer mehr von Neugründungen. Lasst euch von niemandem reinreden. Wir können nicht warten, dass jemand anderes die Welt rettet.


greenstyle-muc.com


(Interview aus TextilMitteilungen 08/2021)