Suche
  • Mina Schmidt

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit Nudie Jeans – Sandya Lang im Interview

Nudie Jeans wurde 2001 gegründet und ist nun seit mehr als 20 Jahren auf dem Markt - eine Zeit, in der die Marke den Höhepunkt der Fast Fashion und den langsamen Wechsel der Branche zu nachhaltigeren Lösungen miterlebt hat. Wir sprachen mit Sandya Lang, der Nachhaltigkeitsmanagerin der Brand, über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.



Was erfüllt dich am meisten mit Stolz, wenn du auf die letzten zwei Jahrzehnte Nudie Jeans zurückblickst?

Ich bin stolz darauf, dass wir an unseren Grundwerten festgehalten haben, dass Nachhaltigkeit jetzt noch stärker in die DNA des Unternehmens integriert ist und dass alle Projekte und Aktivitäten, die wir im Laufe der Jahre durchgeführt haben, Teil unserer Kernstrategie und unseres Geschäftsmodells sind.


Und was waren bisher die größten Herausforderungen für das Team?

In erster Linie bedurfte es der gemeinsamen Anstrengungen des gesamten Unternehmens, um uns dorthin zu bringen, wo wir heute stehen. Nachhaltigkeit ist jetzt in allen Aspekten des Unternehmens fest verankert, aber auch das war eine Reise für sich. Die Umstellung auf 100 Prozent Biobaumwolle, die Ausweitung der Reparaturservices, was wir hinsichtlich Transparenz gemeistert haben und vieles mehr – all das waren große Herausforderungen. Wir haben jedoch nie daran gezweifelt, dass wir diese einzelnen Meilensteine erreichen würden. Wir stellen uns im Grunde täglich in fast allen Bereichen unseres Unternehmens neuen Challenges, glücklicherweise haben wir sehr engagierte Kolleg:innen, die sich für unsere Ziele mehr als einsetzen.


Sandya Lang, der Nachhaltigkeitsmanagerin von Nudie Jeans.

Wohin hat euch eure Philosophie geführt?

Unsere Jeans sind nicht dafür gedacht, ein paar Mal getragen und dann weggeworfen zu werden. Wir schätzen gut getragene und geflickte Jeans, die nach Jahren des Tragens ein Teil von uns werden - wie eine zweite Haut. In jeder Phase, von der Baumwollernte über das Färben mit Indigo bis hin zum Weben und Nähen, haben Teams von Männern und Frauen hart gearbeitet, um unsere Produkte herzustellen. Deshalb schätzen wir das Produkt so sehr und werden immer Werte wie Reparatur und Wiederverwendung glauben.


Würdest du uns bitte euren Dry-Denim-Ansatz erklären?

Wir empfehlen unseren Kund:innen, ihre Dry Nudie Jeans mindestens sechs Monate lang zu tragen, bevor sie das erste Mal gewaschen werden. Jeans nicht zu oft zu waschen, ist ein wichtiger Teil des Einlaufprozesses und hilft außerdem, ein unnötiges Zerreißen der Baumwollfasern zu vermeiden. Ich glaube, es gibt auch andere Marken, die sich auf Dry Denim konzentrieren, aber ich denke, wir waren eine der ersten, die Handwerkskunst und die Tradition von Dry Denim mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit kombiniert haben. Es ist eine großartige Möglichkeit, der Jeans sozusagen Persönlichkeit zu schenken und zu individualisieren. Denn auf die Art entstehen nicht nur einzigartige, einmalige Denim Fades, sondern es ist wahrscheinlich auch eines der nachhaltigsten Dinge, die man tun kann, wenn man ein neues Paar kauft. Unsere Dry-Reuse-Jeans wären dabei übrigens die nachhaltigste Option.


Produktion von Nudie Jeans in Tunesien.

Wie habt ihr bei Nudies das neue Bewusstsein für Nachhaltigkeit in den letzten Jahren erlebt?

Da wir schon so lange daran arbeiten, ein nachhaltiges Denim-Unternehmen zu schaffen, ist es schön zu sehen, dass es in letzter Zeit so viel Interesse und Innovation in Sachen Nachhaltigkeit gibt. Endlich zahlt sich ein Teil unserer Arbeit auch in Form von Wertschätzung und Anerkennung aus. Und es spornt uns zudem an, noch härter zu arbeiten, um unsere Vorreiterrolle zu behaupten.


Wie beurteilst du die Veränderungen in der Branche? Ehrliche Bemühungen, Greenwashing oder ein bisschen von beidem?

Wir können definitiv Beispiele für beides sehen. Wir halten es für besser, Errungenschaften statt Ambitionen zu teilen. Dennoch kommunizieren wir gerne auch, was wir tun. Für uns ist es besonders wichtig, transparent in dem zu sein, was wir tun und erreichen wollen. Es ist in der Tat eine weitere Herausforderung, ein Gleichgewicht zwischen Komplexität und einfacher Kommunikation zu finden.


Fakt: Produktionsländer von Nudie Jeans im Jahr 2020: 56% Tunesien, 27% Italien, 10% Portugal.

Ist bewusstes Einkaufen in Anbetracht der vielen Krisen, die derzeit auf der Welt herrschen, überhaupt ein wichtiges Thema?

Ja, natürlich, denn es ist eine Möglichkeit für jede:n Einzelne:n, bessere Kaufentscheidungen zu treffen. Darüber hinaus denke ich, dass Unternehmen eine größere Verantwortung haben, nachhaltig hergestellte Produkte anzubieten, um es den Verbraucher:innen leicht zu machen, die richtige Wahl zu treffen.


Repair Service von Nudies.

Was könnten Marken besser machen?

Aus meiner Sicht ist Transparenz der Schlüssel. Man muss seine Produkte in- und auswendig zu kennen. Denn das hilft, alle für die Herstellung notwendigen Bestandteile und Prozesse zu begreifen, also von den Rohstoffen bis hin zu den Produktionsprozessen. Die Berücksichtigung ökologischer und sozialer Aspekte ist ein praxisorientierter Ansatz in der Arbeit mit Nachhaltigkeit, der sowohl glaubwürdig als auch effektiv ist.


Info: Nudie Jeans verwendet in seiner Rebirth-Kollektion 20 % recycelte Baumwolle, die aus - von der Marke selbst gesammelten - Nudie Jeans stammt.

Ihr habt erfolgreich einen zirkulären Ansatz umgesetzt und legt Wert auf die soziale Verantwortung des Unternehmens - was steht als nächstes auf der Agenda?

Wir werden uns darauf konzentrieren, was wir tun, noch besser zu machen. So ist beispielsweise die Ausweitung unserer Aktivitäten hinsichtlich Zirkularität nach wie vor eine Herausforderung, mit der wie mehr Kunden zu erreichen möchten. Wir beteiligen uns außerdem an vielen Kooperationen, um dazuzulernen, aber auch andere zu inspirieren. Die Klimaarbeit ist ein weitererem wir mehr Zusammenarbeit mit unseren Partner:innen in der Lieferkette benötigen, um in unserer gesamten Lieferkette auf erneuerbare Energien umzusteigen.


Wo siehst du die Denim Industrie in ein paar Jahren angesichts der vielen Mülldeponien voller Kleidung?

Ich denke, wir werden eine Aufwertung der Recyclingindustrie erleben, in der verschiedene Arten von Materialien und Fasern in einem industriellen Maßstab sortiert und recycelt werden können.


nudiejeans.com