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  • Jenni Koutni

Remei: In Traceability we trust

Biobaumwolle sollte nicht nur auf der Faserebene nachhaltig sein, sondern auch für die Landwirt:innen, die sie anbauen. Das Schweizer Unternehmen Remei hat genau dieses Ziel, nämlich das gesamte System zu verbessern. 1983 von Biobaumwollpionier Patrick Hohmann gegründet, steht Remei gleichermaßen für faire Handelspartnerschaften und ökologisch einwandfreie Baumwolle.

Hände zupfen Baumwolle von der Pflanze.
(Foto: Böthling für Remei)

„That organic cotton T-shirt may not be as organic as you think“ – die Headline des New York Times Artikels, der im Februar 2022 erschien, sorgte nicht nur in der Baumwollindustrie für Aufsehen. Von gefälschten Zertifikaten und Preisschwindel in Anbauregionen in Indien war zu lesen. Die Zahl der als ‚Bio‘ verkauften Baumwolle übersteige bei weitem die tatsächlich angebaute Menge. Für Kritik sorgte, dass der Artikel stark verallgemeinerte. Denn speziell in Zentralindien steht biologischer als auch konventioneller Baumwollanbau vor großen Herausforderungen. Unbeständige Witterungsbedingungen und Schädlingsbefall sind Resultate des Klimawandels und des intensiven konventionellen Anbaus. Durch saisonale Schwankungen stehen Naturfasern stärker im Preiswettbewerb zu Kunstfasern denn je. Hinzu kommt der Kampf der indischen Regierung gegen systematischen Betrug im Zertifizierungssystem für ökologischen Baumwollanbau. Beweise dafür fand der Baumwollstandard GOTS bereits im Herbst 2021. Rund 20.000 Tonnen mit gefälschter, als Bio zertifizierter Baumwolle wurden damals gefunden. Da biologische von genetisch veränderter, sogenannter Bt-Baumwolle nur durch aufwendige genetische Tests zu unterscheiden ist, war dieser Vertrauensbruch besonders dramatisch. Immer noch fehlt es an Strafverfolgung und Verbesserungsmaßnahmen auf diesem Gebiet. Der einzige Weg für eine Marke sicherzustellen, dass ihre Bio-Baumwolle tatsächlich biologisch ist, wäre also über glaubwürdige Organisationen in Landwirte zu investieren, noch bevor Samen gesät werden – so die Conclusio des NYT-Artikels. Eine dieser glaubwürdigen Organisationen ist das Handelsunternehmen Remei.


Bt-Baumwolle: Bt steht für Bacillus thuringiensis, ein Bodenbakterium, das zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt wird. In genmanipulierter Baumwolle findet sich der isolierte Wirkstoff Bt-Protein. Die Pflanze produziert so eigenständig den für Schädlinge giftigen Wirkstoff. Das Problem ist: Es bilden sich Resistenzen dagegen. Außerdem können vermehrt sogenannte Sekundärschädlinge wie Blattläuse auftreten.

Pionierarbeit


Remei wurde 1983 von Biobaumwoll-Pionier Patrick Hohmann aufgebaut. Schon 1991 gründete er das gleichnamige Biolandbauunternehmen in Indien, eine Dependance in Tansania folgte drei Jahre später. Kurz gesagt sichert das Schweizer Textilunternehmen für seine Handelspartner die Verfügbarkeit der Biobaumwolle aus verlässlichem Ursprung sowie die Rückverfolgbarkeit der Fertigtextilien. Dass große Unternehmen wie Coop Schweiz, Greenpeace Media, Gerry Weber, Grüne Erde oder Wöhrl Kunden sind, beweist den Erfolg des Konzepts, das sich von den übrigen Playern am Markt grundlegend unterscheidet. Eine besonders enge und langfristig orientierte Beziehung zu den Landwirt:innen vor Ort, partizipative Entwicklung, nachvollziehbare Zertifizierungssysteme und transparente Rückverfolgbarkeit von Textilien stehen bereits seit dreißig Jahren auf der Tagesordnung.


Indischer Biobaumwollfarmer bei der Ernte.
Remei erzielt den größten Teil der Biobaumwollernte in Tansania. Durch die Standorte in Afrika und Indien kann Remei zeitversetzt nach Saison anbauen. (Foto: Böthling für Remei)

Warum das nicht alle machen? Es erfordert hohe Investitionen und Ausdauer. Denn nicht nur können Bio-Erträge im Vergleich zu konventionellen etwas niedriger sein – die Entwicklungsmaßnahmen und Kontrollsysteme zum nachhaltigen Anbau sind ebenfalls teuer. Die Bereitschaft, langfristig zu investieren und Verantwortung für den Rohstoff zu tragen, ist nicht das Einzige, was Remei vom Großteil des Weltmarkts unterscheidet. Es ist außerdem die Fähigkeit, zu wissen, wann es genug ist. Laut New York Times wuchs der Markt für Biobaumwolle in Indien trotz Pandemie um plus 48 Prozent. Nicht so bei Remei. Bereits 2012 sah das Textilunternehmen die wachsenden Herausforderungen voraus - seitdem werden geringere Mengen Biobaumwolle in Indien produziert.


Problem erkannt


Für Remei und seine indischen und tansanischen Tochterunternehmen ist der Schlüssel also nicht nur an der Biobaumwolle selbst zu arbeiten, sondern das gesamte System konstant zu verbessern und es für Landwirt:innen effizienter und reizvoller zu gestalten. Damit die Baumwollbauer:innen ihre Felder ausschließlich ohne chemische oder synthetische Pestizide bewirtschaften können, unterstützt Remei die Erforschung und Produktion von gentechnikfreiem Saatgut. Ein ausgeklügeltes Kontrollsystem wurde vor Ort eingerichtet, um sicherzustellen, dass keine Verunreinigungen in Saatgut oder Lieferkette gelangen. „Wir beobachten, dass die indischen Landwirt:innen in den ersten zwei Jahren, in denen sie ihren Betrieb vom immensen Einsatz von Chemikalien aus konventionellen Praktiken auf kontrolliert biologischen Baumwollanbau umstellen, große Schwierigkeiten haben“, heißt es bei Remei. Seit den späten Neunzigern gibt es für registrierte Landwirt:innen deshalb eine Abnahmegarantie für Biobaumwolle, um ihnen eine berechenbare Grundlage für die Umstellung auf den ökologischen Landbau zu bieten. Ein weiteres wichtiges Projekt ist die Förderung von anderen Gewächsen wie Moringa, Weizengras oder Knoblauch, die Erträge bringen und die Ernteabhängigkeit von Baumwolle verringern sollen.

Baumwollbauer hält '#I grow your cotton'-Schild.
(Photo: Remei, Indien)

100 Prozent Transparenz


Der Schlüssel für die Existenz von Biobaumwolle ist also eine vertrauensvolle Beziehung zu Landwirt:innen und Partner:innen in der gesamten Produktionskette. Eine Lieferkette mit systematischen Kontrollen von Rohstoff, Garnen und Fertigtextilien legt schlussendlich den Grundstein zur Traceability der Endprodukte. Lieferketteninformationen jedes fertigen Baumwolltextils sind per QR-Code über die Technolgie ‚my-trace‘ by Remei bis zu ihrem Ursprung rückverfolgbar, sei es Anbau, Entkernung, Spinnerei und Flächenherstellung oder Konfektionierung. From fibre to fashion, eben.


remei.ch


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